One Orient in Shenzhen
Unternehmenssitz als modulares Stadtquartier
Mit dem One Orient haben die Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) den neuen Unternehmenssitz des Technologiekonzerns Telling in Chinas drittgrößter Metropole Shenzhen fertiggestellt. Entwurfsbestimmend ist die modulare Konzeption des Projektes mit einer elementierten Fassade, deren Rahmen alle technischen Komponenten bündig aufnehmen und das Erscheinungsbild auf geschlossene Glas- und Profilflächen reduzieren. Der Council on Tall Buildings and Urban Habitat (CTBUH) zeichnete diese Konstruktion mit dem CTBUH China Award 2026 in der Kategorie „Facade Innovation Excellence“ aus.
Das Projekt bildet den Auftakt des Geschäftsviertels Shenzhen Bay Headquarters, westlich des Stadtzentrums. Dem städtebaulichen Masterplan entsprechend staffeln sich die Bauhöhen des hochverdichteten Quartiers von der Bucht zum nördlichen Wetland Park ab. Eine zentrale Nord-Süd-Achse, der „Central Park“, integriert Freiräume, Plätze und kulturelle Einrichtungen. Auf dem nordwestlichen Eckgrundstück dieser Grünachse positioniert, schließt das One Orient den Stadtraum zur Bucht hin ab. Ein gemeinsamer Sockelbau verbindet die beiden 150 und 100 Meter hohen Türme, deren durchgehende Elementfassade die gestaffelten Bauteile optisch zusammenfasst.
Der Entwurf basiert auf vertikal und horizontal versetzt angeordneten Baukörpern. Das Prinzip der Modularität bestimmt dabei sowohl die städtebauliche Setzung als auch die architektonischen Details der Gebäudehülle. Durch die Staffelung der Volumen entstehen auf verschiedenen Ebenen Sky Garden und Sky Lobbys. Sie gliedern die Türme optisch, variieren das Fassadenraster und bieten den Nutzenden zusätzliche Aufenthaltsbereiche. Während die Türme in der Fernwirkung die Silhouette des Quartiers definieren, gliedert der Sockel das Bauvolumen im Straßenraum auf einen menschlichen Maßstab: Im ersten Obergeschoss befinden sich Gastronomie- und Einzelhandelsflächen, ergänzt durch einen öffentlich zugänglichen Boulevard, der das Quartier durchzieht. Ein Netzwerk aus Plätzen, Gassen und Fußwegbrücken bindet das Gebäude an den Central Park und die Nachbarbebauung an.
Die technische Ausführung der Fassade führt die architektonische Reduktion im Detail fort: Tiefe, zurückgesetzte Profile fassen die rechteckigen Fensteröffnungen mit ihren gerundeten Kanten ein und nehmen Lüftungs-, Entrauchungs- sowie Beleuchtungselemente verdeckt auf. Eine digital optimierte Laserschweißtechnik für die äußeren Aluminiumprofile verhindert wärmebedingte Verformungen und sichtbare Fugen. Die gerundeten Eckprofile und Lüftungsgitter entstanden als einteilige Vollformguss-Elemente. Diese werkseitige Vorfertigung mit einer Genauigkeit von ±2 Millimetern erhöht die Langlebigkeit und verringert den Wartungsaufwand. Zudem reduzierte das Verfahren den Montageaufwand vor Ort um über 30 Prozent und verkürzte die Bauzeit um 15 bis 20 Prozent. Die CO₂-Emissionen sanken durch die serielle Fertigung und modulare Montage um rund 25 Prozent.